4,9 / 5 von unseren Kunden bewertet Kostenloser Versand ab 100 € (DE)

Wir bekommen diese Frage häufiger als jede andere: Warum steht bei manchen eurer Produkte „halal-zertifiziert" und bei anderen nicht, obwohl doch überall dasselbe Rind drinsteckt? Die Antwort ist unbequem und lautet: Weil Zertifizierung die ganze Kette betrifft, nicht nur den Rohstoff. Dieser Artikel erklärt, wie das funktioniert – und bei welchen unserer Produkte die Kette derzeit nicht vollständig ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • „Halal-konform" ist eine Selbstauskunft, „halal-zertifiziert" ist eine geprüfte Aussage
  • Jeder Schritt der Kette muss zertifiziert sein: Rohstoff, Verarbeitung, Abfüllung, Verpackung
  • Ein reines Rohstoffzertifikat reicht nicht aus, um ein Endprodukt als halal zu deklarieren
  • Schon eine einzige nicht zertifizierte Zutat blockiert die Zertifizierung des Gesamtprodukts
  • Bei Bio gilt dasselbe Kettenprinzip
  • Bei uns sind vier Produkte vollständig zertifiziert – bei vier weiteren ist es nur der Rohstoff

Halal-konform oder halal-zertifiziert – wo ist der Unterschied?

Der Unterschied ist erheblich, und er wird im Markt regelmäßig verwischt.

„Halal-konform" ist eine Aussage des Anbieters über sich selbst. Sie bedeutet: Nach unserer eigenen Einschätzung entspricht das Produkt den Anforderungen. Niemand von außen hat das geprüft. Der Begriff ist lebensmittelrechtlich nicht geschützt, jeder darf ihn verwenden, und es gibt keine staatliche Aufsicht über Halal-Auslobungen.[1][2][3]

„Halal-zertifiziert" bedeutet, dass eine externe Zertifizierungsstelle den Betrieb, die Prozesse und die Dokumentation geprüft und ein Zertifikat mit Registriernummer und Laufzeit ausgestellt hat. Die Anforderungen an solche Stellen sind international in OIC/SMIIC 2:2019 beschrieben.[4] Das ist überprüfbar.

Beide Formulierungen klingen im Produkttext ähnlich. Sie sind es nicht. Wenn dir das Thema wichtig ist, achte auf das Wort „zertifiziert" – und frag nach dem Zertifikat.

Warum reicht ein Rohstoffzertifikat nicht?

Weil ein Zertifikat immer für einen bestimmten Betrieb und einen bestimmten Prozess ausgestellt wird, nicht für ein Molekül.

Ein typisches Kapselprodukt durchläuft mindestens vier Stationen:

  1. Der Rohstoff – Herkunft des Tieres, Schlachtung, erste Verarbeitung
  2. Die Weiterverarbeitung – Trocknung, Gefriertrocknung, Mahlung
  3. Die Abfüllung – Verkapselung oder Befüllung von Dosen und Gläsern
  4. Die Verpackung – Endverpackung und Etikettierung

Jede dieser Stationen findet in einem anderen Betrieb statt, oft in einem anderen Land. Zertifiziert wird jeder Betrieb einzeln. Fehlt bei einem einzigen Schritt das Zertifikat, ist die Kette unterbrochen – und das Endprodukt darf nicht als halal-zertifiziert bezeichnet werden. Auch dann nicht, wenn der Rohstoff einwandfrei zertifiziert ist.

Manche Anbieter zeigen deshalb ein Rohstoffzertifikat und lassen offen, dass es sich nur auf den Rohstoff bezieht. Formal falsch ist das nicht, vollständig aber auch nicht. Frag im Zweifel nach, welche Produktionsschritte das Zertifikat abdeckt.

Warum müssen Maschinen zertifiziert sein?

Das ist der Punkt, den die meisten überrascht.

Bei der Zertifizierung geht es nicht nur darum, was in das Produkt hineinkommt, sondern auch darum, womit es in Berührung kommt. Der Codex Alimentarius verlangt ausdrücklich, dass Halal-Ware nicht mit Geräten und Anlagen in Berührung kommt, die mit Verbotenem kontaminiert sind, und dass zuvor anders genutzte Anlagen nach islamischen Vorgaben gereinigt werden.[5] Welche Reinigungs- und Hilfsstoffe ein Betrieb einsetzt, muss deshalb geprüft und dokumentiert sein – die bloße Möglichkeit genügt, damit eine Zertifizierungsstelle den Betrieb sehen will.

In unserem Fall werden die Anlagen nicht mit Alkohol gereinigt. Das nützt uns aber nur dann, wenn es geprüft und dokumentiert ist. Solange der Betrieb kein Zertifikat hat, bleibt es unsere Behauptung – und genau das wollen wir nicht als Nachweis verkaufen.

Wie eine einzelne Zutat die Zertifizierung blockiert

Ein Beispiel aus unserem eigenen Sortiment: Ein Kollagenprodukt mit zugesetztem Vitamin C.

Das Kollagen ist halal-zertifiziert. Das Vitamin C ist es nicht – nicht weil damit etwas nicht stimmt, sondern weil der Lieferant dieses Rohstoffs keine Halal-Zertifizierung durchlaufen hat. Ergebnis: Das Gesamtprodukt lässt sich nicht zertifizieren, obwohl der Hauptbestandteil es ist.

Das klingt bürokratisch, ist aber genau der Grund, warum die Zertifizierung überhaupt etwas wert ist. Ein System, das Lücken durchwinkt, wäre wertlos.

Bei Bio ist es dasselbe Prinzip

Die Bio-Zertifizierung funktioniert nach derselben Logik. Auch dort muss jeder Betrieb in der Kette – Erzeuger, Verarbeiter, Abfüller – einzeln zertifiziert und einer Öko-Kontrollstelle gemeldet sein.

Deshalb kann es vorkommen, dass ein Rohstoff aus biologischer Erzeugung stammt, das Endprodukt aber nicht als Bio verkauft werden darf, weil ein Verarbeitungsschritt nicht in der Kontrolle ist. Wer „aus biologischem Anbau" schreibt, ohne eine Öko-Kontrollstellennummer zu nennen, bewegt sich in derselben Grauzone wie „halal-konform".

Welche unserer Produkte sind vollständig zertifiziert?

Unser Halal-Zertifikat wird von der m-haditec GmbH in Bremen ausgestellt, Registriernummer 150527haevoey. Es listet die Produkte namentlich auf, für die die gesamte Kette geprüft wurde.

Unser aktuelles Halal-Zertifikat ansehen

Vollständig zertifiziert

  • Halal Kollagen Hydrolysat
  • Rindergelatine Pulver
  • Knochenbrühe Pulver
  • Beef Tallow Balm

Bei diesen vier Produkten ist die Kette von Rohstoff bis Verpackung geprüft. Nur diese Produkte bezeichnen wir als halal-zertifiziert.

Rohstoff zertifiziert, Kette noch nicht vollständig

Produkt Was fehlt
Rinderleber Kapseln Gefriertrocknung in Neuseeland und Verkapselung
Rinderorgane Kapseln Gefriertrocknung in Neuseeland und Verkapselung
Rinderhirn Kapseln Gefriertrocknung in Neuseeland und Verkapselung
Bio Knochenbrühe Konzentrat Abfüllung

Bei diesen Produkten ist der Rohstoff halal-zertifiziert. Die nachgelagerten Schritte sind es nicht – teils, weil die Betriebe die Zertifizierung noch nicht angestoßen haben, teils, weil sie am jeweiligen Standort derzeit nicht verfügbar ist.

Deshalb steht bei diesen Produkten kein Halal-Hinweis. Wir könnten „halal-konform" schreiben und wären damit rechtlich vermutlich auf der sicheren Seite. Wir tun es nicht, weil es den Unterschied verwischt, um den es in diesem ganzen Artikel geht.

Sobald ein fehlender Schritt nachzertifiziert wird, erweitern wir das Zertifikat und nehmen das Produkt auf. Der Link oben zeigt immer den aktuellen Stand.

Was du jeden Anbieter fragen kannst

Vier Fragen, die sich in einer Mail unterbringen lassen und die viel aussagen:

  1. Ist das Produkt halal-zertifiziert oder halal-konform?
  2. Welche Zertifizierungsstelle hat geprüft, und wie lautet die Registriernummer?
  3. Welche Produktionsschritte deckt das Zertifikat ab – nur den Rohstoff oder die gesamte Kette?
  4. Bis wann ist das Zertifikat gültig?

Ein Anbieter, der auf alle vier Fragen antworten kann, hat seine Kette im Griff. Ein Anbieter, der bei Frage drei ausweicht, hat vermutlich nur ein Rohstoffzertifikat.

Warum wir das offenlegen

Es wäre bequemer, über die unvollständig zertifizierten Produkte einfach nichts zu sagen. Die meisten Kunden fragen nicht nach, und wer nachfragt, bekommt eine Einzelantwort per Mail.

Wir halten das für den falschen Weg. Wer aus religiösen Gründen auf Halal achtet, trifft eine Entscheidung, die ihm wichtig ist – und dafür braucht er vollständige Informationen, nicht die günstigste Auswahl davon. Dass wir dabei offenlegen, wo unsere eigene Kette Lücken hat, gehört dazu.

Wenn du Fragen zu einem bestimmten Produkt hast, schreib uns. Wir sagen dir, wie der Stand ist – auch wenn die Antwort „noch nicht" lautet.

Häufige Fragen

Warum steht auf der Packung nichts von halal, obwohl der Rohstoff zertifiziert ist?

Weil eine Auslobung als halal die vollständige Kette voraussetzt. Ein Hinweis auf der Packung, der nur den Rohstoff meint, wäre irreführend.

Ist das Produkt dann nicht halal?

Diese Frage können wir nicht beantworten, und niemand sonst kann es an unserer Stelle. Wir können nur sagen, was geprüft und dokumentiert ist und was nicht. Die Bewertung liegt bei dir – und wenn du sicher sein willst, greif zu einem der vier vollständig zertifizierten Produkte.

Wie lange dauert eine Zertifizierung?

Das hängt vom Betrieb ab und liegt nicht in unserer Hand. Wir können den Anstoß geben und die Unterlagen liefern, entscheiden muss der jeweilige Verarbeiter oder Abfüller.

Gilt das auch für andere Zertifizierungen?

Ja. Bei Bio ist das ausdrücklich geregelt: Nach Art. 34 Abs. 1 der EU-Öko-Verordnung müssen Erzeuger, Verarbeiter, Händler und Lager jeweils einzeln zertifiziert und einer Öko-Kontrollstelle gemeldet sein.[6][7] Eine Zertifizierung ist immer nur so vollständig wie ihr schwächstes Glied.

Stand: September 2026. Der Zertifizierungsstand ändert sich, sobald Betriebe in unserer Lieferkette nachzertifiziert werden. Den aktuellen Stand findest du immer im verlinkten Zertifikat.

Hinweis zu gesundheitsbezogenen Aussagen
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die einzigen in der EU zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben sind im EU-Register für nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben geführt. Aussagen zu möglichen Wirkungen, die dort nicht gelistet sind, geben den Stand der Forschung wieder und sind keine zugelassenen Health Claims.

Quellen

  1. Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (Stand 22.10.2024): Halal-Ernährung – Was steckt dahinter? Verbraucherportal Bayern (VIS). vis.bayern.de
  2. Verbraucherzentrale Bundesverband (Stand 14.08.2026): Halal essen: Wann ist ein Produkt „halal“? verbraucherzentrale.de
  3. Verbraucherzentrale Bundesverband (Stand 14.10.2022): Halal-Siegel: Einkaufshilfe für Muslime? Lebensmittelklarheit. lebensmittelklarheit.de
  4. Standards and Metrology Institute for Islamic Countries (2019): OIC/SMIIC 2:2019 Conformity Assessment – Requirements for Bodies Providing Halal Certification. smiic.org
  5. Codex Alimentarius Commission / FAO-WHO (1997): General Guidelines for Use of the Term „Halal“. CAC/GL 24-1997. fao.org
  6. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Die Bio-Zertifizierung von Unternehmen – was muss beachtet werden? oekolandbau.de, mit Verweis auf Art. 34 Abs. 1 VO (EU) 2018/848. oekolandbau.de
  7. Europäisches Parlament und Rat (2018): Verordnung (EU) 2018/848 über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen, Art. 34 f. Konsolidierte Fassung vom 01.01.2022. eur-lex.europa.eu

Weiterführende Rechtsgrundlagen und Literatur

  • Standards and Metrology Institute for Islamic Countries (2019): OIC/SMIIC 1:2019 General Requirements for Halal Food. 2. Auflage, 31.07.2019. smiic.org
  • Europäisches Parlament und Rat (2011): Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel (LMIV). Konsolidierte Fassung vom 01.04.2025. eur-lex.europa.eu

Quellen zuletzt geprüft am .